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10 Dinge, die Sie über ein Testament wissen sollten

Das Testament - eine Sache, mit der man sich nicht gerne auseinandersetzt. Wollen Sie allerdings dafür sorgen, dass bestimmten Angehörigen bestimmte Sachen oder Vermögenswerte zukommen, sollten Sie sich mit der Thematik auseinandersetzen. Was gibt es zu beachten? Welche Arten von Testamenten gibt es? Welche Formvorschriften bestehen? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen hier.

1. Was ist ein Testament und wer darf ein Testament verfassen?

Ein Testament ist eine vom Erblasser (derjenige, dessen Vermögen mit dem Tode auf eine oder mehrere Personen übergeht) einseitig getroffene Verfügung von Todes wegen (§ 1937 BGB Erbeinsatz durch letztwillige Verfügung). Verfasst der zukünftige Erblasser ein rechtswirksames Testament, so definiert er eine sogenannte gewillkürte Erbfolge. Die gewillkürte Erbfolge steht im deutschen Erbrecht der gesetzlichen Erbfolge (es liegt kein Testament oder Erbvertrag vor) gegenüber und kann als Alternative zur gesetzlichen Erbfolge genutzt werden. Es gibt unterschiedliche Arten von Testamenten. Das Erbrecht unterscheidet grundsätzlich zwischen einem notariellen Testament (§ 2232 BGB), einem privatschriftlichen Testament (§ 2247 BGB) und einem gemeinschaftlichen Testament (§ 2265 BGB). Sehen Sie dazu ausführlicher die Fragen 3-6.

Zur Errichtung eines Testaments muss man grundsätzlich volljährig und geschäftsfähig sein. Geistesgestörte und geisteskranke Personen können demnach kein Testament verfassen. Unter gewissen Einschränkungen dürfen auch Minderjährige ab 16 Jahren ein Testament errichten. Allerdings ist es ihnen nicht gestattet ein sogenanntes eigenhändiges Testament aufzusetzen. Es besteht jedoch die Möglichkeit ein öffentliches bzw. notarielles Testament mittels mündlicher Erklärung gegenüber einem Notar oder Übergabe einer Testamentsschrift an einen Notar anzufertigen. Bestehen Zweifel über die Testierfähigkeit des Erblassers, so ist es sinnvoll, einen Notar aufzusuchen und dem Testament ein ärztliches Attest beizufügen, welches aus medizinischer Sicht bescheinigt, dass der Erblasser in der Lage ist, seine rechtlichen Geschäfte eigenverantwortlich zu regeln. Damit wird verhindert, dass die Rechtsgültigkeit des Testaments im Nachhinein angezweifelt werden kann.

2. Brauche ich ein Testament?

Niemand wird gezwungen ein Testament anzufertigen. Dafür hat der Gesetzgeber als Auffanglösung eine gesetzliche Erbfolge entwickelt. Die gesetzlich geregelte Erbfolge legt genau fest, wie das Vermögen eines Verstorbenen, der kein Testament hinterlassen hat, unter den Hinterbliebenen aufgeteilt wird. In diesem Fall gilt grundsätzlich das Verwandtschaftserbrecht. Das bedeutet, dass zunächst die Verwandten erben. Die Verwandten werden zu diesem Zweck in Ordnungen eingeteilt. Grundsätzlich gilt, dass Erben vorrangiger Ordnungen (nahe Verwandte), Erben entfernter Ordnungen (ferne Verwandte) ausschließen. Erben erster Ordnung sind Kinder und Enkelkinder des Verstorbenen, Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Verstorbenen und deren Nachkommen und Erben dritter Ordnung sind die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen. Hiernach gibt es sogar noch eine vierte und fünfte Ordnung, die aber selten zum Tragen kommt, da Angehörige „näherer“ Ordnungen noch leben. Je enger also der Verwandtschaftsgrad, desto wahrscheinlicher wird man bei der Verteilung des Erbes berücksichtigt. Tritt der Fall ein, dass weder nahe oder ferne Verwandte noch Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner des Verstorbenen am Leben sind und auch kein Testament oder Erbvertrag vorliegt, so fällt das Erbe an den Staat (zur gesetzlichen Erbfolge lesen Sie auch: Die gesetzliche Erbfolge - wer erbt, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt). Wer jedoch von der gesetzlichen Erbfolge abweichen möchte, um selbst Einfluss auf die Verteilung des persönlichen Vermögens nach dem Ableben zu nehmen, der sollte ein Testament verfassen.

Obwohl es nicht zwingend notwendig ist, ein Testament anzufertigen, ist es trotzdem zu empfehlen. Ein Testament kann zum Beispiel helfen, Streitigkeiten zwischen den Erben zu vermeiden, denn es spiegelt den konkreten Willen und die Wünsche des Erblassers wider. Darüber hinaus bietet ein Testament dem zukünftigen Erblasser die Möglichkeit, nicht nur Verwandte als Erben einzusetzen, sondern auch andere nahestehende Personen, Freunde, Bekannte aber auch Institutionen usw. zu berücksichtigen. Das Verfassen eines Testaments ist auch dann sinnvoll, wenn die Nachfolge eines gewerblichen Unternehmens oder ein sehr großes Vermögen geregelt werden muss.

3. Welche Arten von Testamenten gibt es?

Möchte man ein Testament verfassen, so hat man mehrere Möglichkeiten. Das deutsche Erbrecht kennt unterschiedliche Formen des Testaments. Grundsätzlich wird zwischen einem öffentlichen bzw. notariellen Testament (§ 2232 BGB), einem privaten eigenhändigen Testament (§ 2247 BGB) und einem gemeinschaftlichen Testament (§ 2265 BGB) unterschieden.

Am einfachsten ist es sicher, ein privates handschriftliches Testament (§ 2247 BGB) zu verfassen. Beim Verfassen eines handschriftlichen Testaments sollten allerdings einige formale Kriterien, wie zum Beispiel das Unterschriftserfordernis, eingehalten werden.

Alternativ dazu kann man mit Hilfe eines Notars ein öffentliches bzw. notarielles Testament (§ 2232 BGB) erstellen. Ein öffentliches Testament kann mündlich zur Niederschrift oder schriftlich mit einer entsprechenden mündlichen Erklärung vor einem Notar abgegeben werden.

Neben diesen beiden Möglichkeiten haben Ehegatten und eingetragene Lebenspartner die Möglichkeit, gemeinsam ein Testament zu erstellen. Dieses Testament wird dann gemeinschaftliches Testament genannt. Eine spezielle Form des gemeinschaftlichen Testaments ist das Berliner Testament. Hier bestimmen die Ehegatten, dass ihr Vermögen im Falle des Todes eines Ehepartners zunächst dem überlebenden Ehepartner als Erben zufallen soll (Einheitsprinzip). Erst nach dessen Ableben wird das Vermögen auf Dritte, meistens die Kinder, übertragen. Der überlebende Ehegatte kann grundsätzlich frei über das Erbe verfügen. Besteht allerdings eine Bindungswirkung hinsichtlich der Schlusserben, z. B. der Kinder, so ist der überlebende Ehegatte in seiner Verfügungsmacht gesetzlich beschränkt (§ 2287 BGB). Diese Regelung soll dazu dienen, dass der Nachlass vor einer „Aushöhlung“ (z. B. durch Schenkungen) durch den überlebenden Ehegatten geschützt wird. Beachtet werden sollte, dass ein gemeinschaftliches Testament eine wechselbezügliche Verfügung darstellt und nicht ohne Weiteres abgeändert werden kann (Bindungswirkung). Eine Änderung ist z. B. dann möglich, wenn in dem Testament eine Änderungsklausel aufgenommen wurde. Eine andere Möglichkeit der Gestaltung eines gemeinschaftlichen Testaments stellt die Vor-und Nacherbschaft dar. Hierbei setzten sich die Ehegatten gegenseitig als Vorerben des Erstversterbenden und die gemeinsamen Kinder als Nacherben ein (Trennungslösung). Darüber hinaus werden die gemeinsamen Kinder als Vollerben des Letztversterbenden bestimmt. Der überlebende Ehegatte erhält nach dem Tod des ersten Ehegatten dessen Vermögen. Er hält also zwei voneinander getrennt Vermögensmassen: das eigenen Vermögen und das Vermögen des Erstverstorbenen. Als Vorerbe unterliegt der überlebende Ehegatte hinsichtlich des Vermögens des Erstverstorbenen gewissen rechtlichen Beschränkungen. Die Kinder werden als Nacherben Erben des zuerst Verstorbenen und Vollerben des Letztverstorbenen. Der Nacherbfall tritt demnach mit dem Tod des Längerlebenden ein (siehe dazu auch: Gemeinschaftliches Testament oder Vor-und Nacherbschaft).

4. Welche Formvorschriften muss ich beachten, wenn ich ein eigenhändiges Testament verfasse?

Um ein eigenhändiges Testament zu verfassen, müssen einige Formvorschriften beachtet werden, die vor allem der Klarheit dienen und den Verfasser identifizieren sollen. Der Verfasser muss das 18. Lebensjahr vollendet haben, er muss voll geschäftsfähig sein und das Testament muss von Anfang bis Ende handschriftlich, d. h. nicht maschinell, nicht mit Hilfe eines Computers und auch nicht unter Verwendung eines Diktiergerätes, verfasst werden. Grundlegende Voraussetzung ist, dass das Testament persönlich verfasst wird. Die rechtlichen Vorschriften gestatten es nicht, einen Stellvertreter mit dieser Aufgabe zu betrauen. Das Testament muss zudem unterschrieben werden. Es sollte möglichst mit Vor-und Zuname unterschrieben werden, um Irrtümer zu vermeiden. Nicht gesetzlich vorgesehen, aber trotzdem dringend zu empfehlen, ist die Angabe des Ortes und des Datums. Dies ist wichtig, da ein Testament jüngeren Datums ein Testament älteren Datums ersetzt. Ohne Zeitangabe können Missverständnisse und Auslegungsschwierigkeiten entstehen. Auch kann mit Hilfe des Datums im Nachhinein geklärt werden, ob der Erblasser im Zeitpunkt der Errichtung testierfähig war. Sinnvoll ist es auch eine Überschrift, beispielsweise „Testament“ oder „letzter Wille“ zu formulieren, auch wenn dies keine rechtliche Voraussetzung ist. Das Gleiche gilt auch für die Nummerierung der Seiten, um die Vollständigkeit überprüfen zu können. Die Bestimmungen in dem Testament sollten so konkret und eindeutig wie möglich sein.

In seinem Testament muss der zukünftige Erblasser die Namen der Erben angeben. Die Erben stellen nämlich eine Erbengemeinschaft dar und erben, so lange nichts anderes bestimmt ist, das gesamte Vermögen zu gleichen Teilen.

Das Testament kann entweder zu Hause aufbewahrt oder bei dem zuständigen Amtsgericht in die amtliche Verwahrung gegeben werden. Letzteres ist wohl die sicherere Variante, da dadurch gewährleistet wird, dass das Dokument nicht in falsche Hände gerät oder verloren geht.

Informationen zum handschriftlichen Testament finden Sie auch hier: 10 Dinge, die man beim Verfassen seines letzten Willens und seines Testaments beachten sollte.

5. Was muss ich beachten, wenn ich ein notarielles Testament verfassen möchte?

Das notarielle Testament wird mit Hilfe eines Notars nach den Wünschen des zukünftigen Erblassers erstellt. In den meisten Fällen teilt der zukünftige Erblasser dem Notar seinen letzten Willen mündlich mit, der Notar schreibt den Willen nieder und liest ihn nochmals vor. Ist der Erblasser mit dem Inhalt einverstanden, so genehmigt er das Testament und unterschreibt es. Das Aufsetzten eines notariellen Testamentes ist bereits mit 16 Jahren möglich. Im Rahmen der Errichtung eines notariellen Testaments durch mündliche Erklärung zur Niederschrift unterliegt der Notar einigen Belehrungs-und Aufklärungspflichten. Der Notar muss u. a. den Willen des Erblasser erforschen, die Familienverhältnisse klären, den Erblasser über das Pflichtteilsrecht, die rechtliche Tragweite des Geschäfts und einen drohenden wirtschaftlichen Schaden aufklären. Bei falscher Beratung haftet der Notar auf Schadensersatz. Zudem wird das notarielle Testament in die amtliche Verwahrung gegeben, wodurch das Risiko einer Fälschung oder Nicht-Berücksichtigung im Erbfall minimiert wird. Ein notarielles Testament des Verstorbenen kann darüber hinaus den Erbschein ersetzen. Nur wenn in dem Testament Unklarheiten auftreten, kann zusätzlich ein Erbschein verlangt werden. Beachtet werden sollte allerdings, dass das Erstellen eines notariellen Testamentes nicht die günstigste Variante ist, da der Notar natürlich für seine Dienste bezahlt werden möchte. Auch das Gericht erhebt für die Verwahrung des Testament und für sonstige Amtshandlungen, die im Zusammenhang mit dem Erbfall stehen, Gebühren. Grundsätzlich gilt, dass die Kosten mit dem Wert des Nachlasses steigen. Gebühren, welche von den Notaren und vom Gericht erhoben werden, richten sich nach der sogenannten Kostenordnung. Mit Hilfe der Kostenordnung und der darin enthaltenen Gebührentabellen kann der zukünftige Erblasser die Kosten für seinen persönlichen Fall berechnen. Häufig wird der Notar dann aufgesucht, wenn komplexe Angelegenheiten geklärt werden müssen. Agreement24 bietet eine bequeme Alternative dazu. Möchten Sie Ihr Testament rechtlich korrekt, zeit-und kostensparend erstellen, ohne einen Notar aufsuchen zu müssen, so ist unser Service genau das richtige für Sie. Agreement24 hilft Ihnen, auch in komplexen rechtlichen Situationen, bei der Erstellung Ihres letzten Willens. Kreieren Sie ihr persönliches Testament einfach online, mithilfe unseres virtuellen Rechtsanwalts. Sie können sicher sein, dass Ihr Testament den rechtlichen Anforderungen entspricht, sodass Missverständnisse bei Erben und dem Nachlassgericht ausgeschlossen werden.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Das Testament schreiben - was man darüber wissen sollte.

6. Wie verfasse ich ein gemeinschaftliches Testament?

Ehepartner und eingetragene Lebenspartnerschaften können zusammen ein gemeinschaftliches Testament erstellen. Dies gilt nicht für Verlobte oder Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft. Letzteren steht es jedoch offen einen Erbvertrag abzuschließen. Das gemeinschaftliche Testament kann sowohl handschriftlich als auch notariell verfasst werden. Wird es handschriftlich verfasst, so ist den Formvorschriften genüge getan, wenn ein Ehegatte oder Lebenspartner das Testament gänzlich handschriftlich aufsetzt und dieses mit seiner Unterschrift versieht und der andere Ehegatte oder Lebenspartner das selbe Exemplar ebenfalls unterschreibt. Auch bei dem handschriftlich verfassten gemeinschaftlichen Testament ist dringend zu empfehlen, es mit Datum und Ort zu versehen. In einem gemeinschaftlichen Testament können sich die Ehegatten/Partner gegenseitig als Erben einsetzten (wechselseitige Verfügung). In diesem Fall spricht man von einem Berliner Testament. Der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner wird dann zum Vollerben. Dritte, zum Beispiel die Kinder der Ehegatten, erben erst, wenn der zuletzt verbliebene Ehegatte stirbt. Eine andere Möglichkeit der Gestaltung eines gemeinschaftlichen Testaments stellt die Vor-und Nacherbschaft dar (lesen Sie dazu mehr unter Frage 3). Das gemeinschaftliche Testament kann sowohl zu Hause als auch amtlich verwahrt werden. Hinsichtlich des Inhalts des gemeinschaftlichen Testaments sind die Eheleute bzw. die eingetragenen Lebenspartner frei. Sie können Vermächtnisse regeln, bestimmte Auflagen formulieren oder Angehörige von der Erbfolge ausschließen. Das Pflichtteilsrecht gilt aber auch hier.

7. Kann ich ein Testament im Nachhinein ändern?

Die Antwort ist: Ja. Zumindest ist dies ohne weiteres bei dem eigenhändigen und notariellen Testament möglich. Möchte der zukünftige Erblasser sein eigenhändiges Testament ändern, so kann er die relevanten Abschnitte neu schreiben und mit Datum, Ort und Unterschrift dem bestehenden Testament beilegen. Der zukünftige Erblasser kann auch Passagen aus dem Testament streichen, um es abzuändern. Tut er dies, so ist es jedoch sinnvoll die Streichung mit der persönlichen Unterschrift sowie dem Datum der Änderung zu markieren. Diese Maßnahme führt dazu, dass möglichen Streitigkeiten im Nachhinein vorgebeugt wird. Für die Änderung eines öffentlichen bzw. notariellen Testaments, ist hingegen ein erneuter kostenpflichtiger Besuch beim Notar notwendig. Der Notar wird die Änderungen dem Testament beifügen.

Bei einem gemeinschaftlichen Testament ist eine Änderung grundsätzlich nur gemeinsam möglich. Dies ist nachvollziehbar, immerhin wurde das Testament auch gemeinsam im Vertrauen auf die Verfügung des anderen erstellt. Bei dem gemeinschaftlichen Testament handelt es sich um eine wechselbezügliche Verfügung. Als wechselbezügliche Verfügungen werden Verfügungen in einem gemeinschaftlichen Testament bezeichnet, von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen worden wäre (§ 2270 Abs. 1 BGB). Die Verfügungen müssen also sehr eng miteinander verbunden sein. Für die gemeinschaftliche Änderung des Testaments gelten grundsätzlich die gleichen Voraussetzungen wie für die Änderung eines allein verfassten Testaments. Stirbt ein Ehegatte oder Lebenspartner, so ist eine gemeinschaftliche Änderung nicht mehr möglich. Wünscht der Überlebende trotzdem eine Änderung vorzunehmen, so kann er dies nur tun, wenn sich die Ehegatten oder Lebenspartner zuvor auf die Aufnahme einer „Änderungsklausel“, also eines Vermerks, welcher besagt, dass das gemeinschaftliche Testament nach dem Tod eines Partners einseitig geändert werden kann, in das Testament geeinigt haben.

Zur Änderung eines Testaments siehe auch: Das Testament schreiben - was man darüber wissen sollte.

8. Kann ich ein Testament widerrufen?

Ein Testament kann widerrufen werden. Für den Widerruf eines Testaments gilt folgendes. Wird ein Testament, egal ob eigenhändiges, notarielles oder gemeinschaftliches Testament, widerrufen, dann wird das Testament ungültig. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten und Anforderungen hinsichtlich des Widerrufs. Dabei kommt es ganz auf die gewählte Form des Testaments an.

Möchte der zukünftige Erblasser das eigenhändig verfasste Testament widerrufen, so kann er es gänzlich oder nur teilweise (die nicht mehr gewollten Klauseln) vernichten. Ist der letzte Wille gegenständlich nicht mehr vorhanden, so kann er auch keine Rechtswirkung mehr entfalten. Sicherlich kann der Erblasser auch Passagen aus dem Testament herausstreichen, allerdings sollte er in diesem Fall mittels einer Unterschrift und Datum unmissverständlich kennzeichnen, dass die Streichung von ihm persönlich vorgenommen wurde. Andernfalls könnte die Streichung im Nachhinein zu Streitigkeiten führen. Es kann auch einfach ein komplett neues Testament, neueren Datums, formuliert werden. Widersprechen sich die Testamente inhaltlich, so gilt das Testament älteren Datums als überholt. Widersprechen sich die Testamente jedoch nicht inhaltlich, so liegen zwei Testamente vor, die sich ergänzen.

Um ein notarielles Testament, welches in die Verwahrung gegeben wurde, zu widerrufen, muss dieses aus der Verwahrung genommen werden. Eine solche Rücknahme aus der Verwahrung ist jederzeit möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass der Erblasser persönlich das Testament entgegennimmt. Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Dies sollte nur erfolgen, wenn auch zeitgleich ein neues Testament formwirksam erstellt wird, damit keine Übergangszeit entsteht, in der gar kein Testament im Falle des plötzlichen Ablebens vorliegt, es sein denn, nun wäre die gesetzliche Erbfolge gewollt.

Ein gemeinschaftliches Testament kann gemeinschaftlich widerrufen werden. Möchte nur ein Ehegatte/Partner widerrufen, so muss er dies vor einem Notar tun. Der Widerruf wird wirksam, wenn der andere Ehegatte/Partner den Widerruf erhält. Nach dem Tod eines Ehegatten oder Lebenspartners erlischt das Recht zum Widerruf grundsätzlich. Dies ist nur dann nicht der Fall, wenn das gemeinschaftliche Testament einen Vorbehalt enthält, welcher es dem überlebenden Ehegatten oder Lebenspartner erlaubt, das Testament zu widerrufen.

Zum Widerruf eines Testaments finden Sie auch Informationen unter: Das Testament schreiben - was man darüber wissen sollte.

9. Was ist ein Vermächtnis und was eine Auflage?

Der Erblasser hat unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, wenn er sein Testament anfertigt. Er kann unter anderem auch sogenannte Vermächtnisse und Auflagen in dem Testament regeln.

Hinterlässt der Erblasser einer oder mehreren Person(en) ein Vermächtnis, so bedeutet dies, dass die benannte(n) Person(en) einen bestimmten Gegenstand (Sachvermächtnis z. B. Briefmarkensammlung, PKW, Möbelstück, Buch etc.) oder Geldbetrag erhalten, ohne Erbe(n) zu werden. Die Erben werden in diesem Fall verpflichtet den Gegenstand oder Geldbetrag nach dem Erbfall an die benannte(n) Person(en) zu übergeben. Derjenige, zu dessen Gunsten das Vermächtnis ausgesetzt wurde, erhält somit einen Anspruch auf Herausgabe des Vermächtnisses gegen den oder die Erben. Die Motivation, ein Vermächtnis anzuordnen, kann aus unterschiedlichen Gründen rühren. Häufig möchte der Erblasser einen bestimmten Gegenstand aus persönlichen Gründen an eine bestimmte Person vermachen. Die Anordnung eines Vermächtnisses bietet dem Erblasser aber auch die Möglichkeit, einen bestimmten Erben aus der Erbengemeinschaft herauszunehmen und zusätzlich zu begünstigen. Denn das Vermächtnis erhält er zusätzlich zu dem ihm zugewiesenen Erbteil. Wird ein sehr großer Vermögenswert als Vermächtnis zugewandt, so muss im Zweifelsfall durch Auslegung ermittelt werden, ob jemand wirklich nur als Vermächtnisnehmer oder doch als Erbe bedacht werden sollte.

Der Erblasser kann außerdem mittels Auflagen den Erben oder Vermächtnisnehmer dazu verpflichten, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen. Der Erblasser kann aber auch einen Dritten, der weder Erbe noch Vermächtnisnehmer ist, mit einer Auflage begünstigen. Eine im Testament angeordnete Auflage hat allerdings im Vergleich zum Erbe oder Vermächtnis eine relativ schwache Rechtsposition. Der mit einer Auflage Begünstigte erhält nämlich kein bestimmtes Recht, dass er im Zweifelsfall einklagen könnte. Wichtig ist, dass man bei der Formulierung einer Auflage im Testament darauf achtet, die Auflage als solche genau zu bezeichnen, um sie von den anderen erbrechtlichen „Instrumenten“ abzugrenzen.

10. Kann ich meine nächsten Angehörigen und Kinder vollständig enterben?

Hat der Verstorbene ein Testament hinterlassen, so erben grundsätzlich nur diejenigen, die im Testament erwähnt werden. Daraus folgt, dass der Erblasser auch nächste Angehörige von der Erbfolge ausschließen kann. Möchte der Erblasser eine bestimmte Person enterben, so genügt es, wenn er in seinem Testament deutlich macht, dass eine bestimmte Person als Erbe ausgeschlossen sein soll. Dies führt dazu, dass die enterbte Person nicht nur von der gewillkürten (Testament) sondern auch von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wird. Hierbei gibt es allerdings eine Einschränkung: Die Pflichtteilsberechtigten können bei der Verteilung des Nachlasses nicht ganz außer Acht gelassen werden. Das Erbrecht garantiert, dass die Pflichtteilsberechtigten zumindest in einem verminderten Umfang an dem Erbe beteiligt werden. Zu den Pflichtteilsberechtigten zählen Personen, die eine gewisse persönliche Bindung zu dem Verstorbenen aufweisen, also Kinder, Kindeskinder, Eltern und Partner. Die Pflichtteilsberechtigten haben gegen den/die Erben einen Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.

Unter sehr engen und strikten Voraussetzungen kann der Erblasser den Pflichtteilsberechtigten sogar das Recht auf den Pflichtteil entziehen. Die Voraussetzungen sind im Gesetz geregelt (§ 2333 BGB). Der Gesetzgeber hat einen Katalog mit Gründen aufgestellt, die zu einem Entzug des Pflichtteils führen können.

Danach kann der Pflichtteil entzogen werden, wenn der Pflichtteilsberechtigte:

• dem Erblasser, dem Ehegatten des Erblassers, einem anderen Abkömmling oder einer anderen dem Erblasser ähnlich nahe stehenden Person nach dem Leben trachtet,
• sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Erblasser, dessen Ehegatten einem anderen Abkömmling oder einer anderen dem Erblasser ähnlich nahe stehenden Person schuldig macht,
• die ihm dem Erblasser gegenüber gesetzlich obliegende Unterhaltspflicht böswillig verletzt oder
• wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung rechtskräftig verurteilt wird und die Teilhabe des Pflichtteilsberechtigten am Nachlass deshalb für den Erblasser unzumutbar ist. Gleiches gilt, wenn die Unterbringung des Pflichtteilsberechtigten in einem psychiatrischen Krankenhaus oder in einer Entziehungsanstalt wegen einer ähnlich schwerwiegenden vorsätzlichen Tat rechtskräftig angeordnet wird.

Möchte der Erblasser von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so muss er dies in seinem Testament ausdrücklich anordnen. Vorausgesetzt wird auch, dass der Erblasser ausdrücklich einen der oben genannten Gründe für den Entzug aufführt.

Interessante Informationen sind auch im Artikel: Wie enterbe ich meine Familie? für Sie zusammengefasst.

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