Konto anlegen
Anmelden
zeige/verstecke Menü

Abmahnung - was nun?

Sie haben Post von einem Abmahnanwalt erhalten? Dann sollten Sie diese auf jeden Fall ernst nehmen. Doch handeln Sie nicht vorschnell und unüberlegt. Wie Sie in so einem Fall am besten vorgehen sollten, lesen Sie hier.

Was ist eine Abmahnung?

Eine Abmahnung gibt die Gelegenheit, eine rechtliche Auseinandersetzung ohne Gerichtsverfahren zu klären. Das bedeutet, dass der Störer zunächst dazu aufgefordert wird, sein vorheriges Verhalten zu unterlassen. Diese kann mit der Aufforderung, einen Schadensersatz in Geld zu zahlen, verbunden werden.

Bewahren Sie Ruhe

Es ist womöglich leichter gesagt als getan, aber bewahren Sie unbedingt Ruhe. Handeln Sie nicht voreilig, um die Sache schnell aus der Welt zu schaffen.

Handeln Sie gleich

Abmahnung und ihre Fristen sollten Sie unbedingt ernst nehmen. Die abmahnenden Kanzleien setzen oftmals sehr kurze Fristen. Ein Hinauszögern könnte dazu führen, dass die Kanzlei sie verklagt. Es können kostspielige Eilverfahren vor Gericht drohen. All dies ist erfahrungsgemäß noch teurer als die Abmahnung an sich.

Zahlen und unterschreiben Sie jedoch nichts

Abmahnungen bestehen im Regelfall aus einem Abmahnschreiben, einer Geldzahlungsaufforderung und einer Unterlassungserklärung, die Sie unterschreiben sollen. Bezahlen und unterschreiben Sie keinesfalls voreilig.

Die Geldzahlung setzt sich einerseits aus Anwaltsgebühren und andererseits aus einem Vergleichsangebot bestehend aus einer pauschalierten Schadensersatzzahlung. Die Unterlassungserklärung fordert sie dazu auf, das Vergehen nicht zu wiederholen. Diese vorformulierten Unterlassungserklärungen reichen teilweise sehr weit und können den Unterzeichner jahrzehntelang verpflichten. Ein Rechtsanwalt sollte die Unterlassungserklärung daher unbedingt prüfen und gegebenenfalls anpassen.

Unterschreibt man einfach die vorformulierte Unterlassungserklärung, dann ist das oft bereits ein Schuldeingeständnis. Deshalb empfiehlt es sich, mit fachkompetenter Unterstützung, die Unterlassungserklärung zu überarbeiten.

Stimmen die Vorwürfe überhaupt?

Sie haben eine Abmahnung erhalten, haben aber nichts Illegales im Internet getrieben? Es kann passieren, dass es zu einem Zahlendreher in der IP-Adresse gekommen ist. Fehlerhafte Abmahnungen können auch dadurch entstehen, dass die meisten Provider bei jeder Online-Sitzung neue IP-Adressen zuweisen. Ist der Tatzeitpunkt der illegalen Handlung im Internet nicht genau ermittelbar, kann es sein, dass es dann zu einer Verwechslung der aktiven IP-Adresse gekommen ist. Dies müssten Sie belegen. Der Unschuldsbeweis ist aufgrund der technischen Gegebenheiten leider oftmals sehr kompliziert.

Auf Ausreden, wie z. B. „Das war ich nicht, das waren die Nachbarn“, sollten Sie jedoch gänzlich verzichten. Sie sind als Inhaber eines Internetzugang nämlich dazu verpflichtet, ihn bei der Einrichtung verkehrsgerecht zu schützen, damit Dritte nicht unbefugt über Ihren Internetzugang illegal downloaden etc. können. Allerdings sind Sie der Pflicht des verkehrsgerechten Schutzes nachgekommen, wenn Sie bei der Einrichtung des Routers für das W-Lan die aktuelle Verschlüsselungsmethode WPA2 gewählt haben und das voreingestellte Passwort durch ein neues, sicheres Passwort einmalig ersetzt haben. Um diesen verkehrsgerechten Schutz aufrecht zu erhalten besteht nach aktuellen Urteilen noch keine Pflicht, dieses auch regelmäßig in bestimmten Abständen wechseln zu müssen. Können Sie als Empfänger der Abmahnung also belegen, dass Sie zum Zeitpunkt der angeblichen Urheberrechtsverletzung, auf Grund Abwesenheit nicht in der Lage gewesen sein konnten, diese Verletzung begangen zu haben und haben die Grundsätze des verkehrsgerechten Schutzes beachtet, sollten Sie das auch notieren und anwaltlich besprechen.

Setzen Sie sich mit einem Anwalt in Verbindung

Sprechen Sie unbedingt mit einen spezialisierten Anwalt oder auch der Verbraucherschutzzentrale. Diese können beim weiteren Vorgehen helfen und beraten. Viele Anwaltskanzleien bieten sogar eine kostenlose Ersteinschätzung an. Diese Chance sollte man keinesfalls vertun.

Halten Sie sich an Ihr Versprechen

Mit der Unterlassungserklärung versprechen Sie, dass Sie Ihr Verhalten nicht wiederholen. Daran sollten Sie sich auch ernsthaft halten. Ansonsten drohen erneute Zahlungsaufforderungen im Rahmen einer Vertragsstrafe, die dann erheblich höher sein können (meistens mindestens 5.001 Euro).

Das könnte Sie auch interessieren:
Internet
Downloads, Streaming, Filesharing und Co. - was darf ich eigentlich?
Illegaler Download - Haftung für Dritte
Illegaler Download - Haften Eltern für ihre Kinder?
Die Verjährungsfrist bei illegalen Downloads