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Der Erbschein

Was genau bezeugt ein Erbschein eigentlich? Benötige ich immer einen Erbschein? In einem Erbfall sind sich viele Menschen unsicher was die Notwendigkeit und den Inhalt des Erbscheins angeht. In unserem Artikel finden Sie Antworten auf diese Fragen und viele weitere hilfreiche Informationen zum Thema Erbschein.

Wozu dient ein Erbschein?

Bei einem Erbschein handelt es sich um ein amtliches Dokument – ein „Zeugnis über das Erbrecht des Erben“ (§§ 2353 ff. BGB). Der Erbschein dient als Nachweis dafür, dass eine Person legitimer Rechtsnachfolger eines Verstorbenen ist und dessen Rechtsgeschäfte weiterführen darf. Entgegen der Meinung vieler, sagt der Erbschein also nichts darüber aus, was jemand erbt, zum Beispiel welche Gegenstände. Vielmehr belegt der Erbschein nur, dass eine Person erbberechtigt ist und in welchem Umfang das Erbbrecht besteht. Ein Erbschein wird zum Beispiel benötigt, wenn man als Erbe auf das Bankkonto des Verstorbenen oder dessen Versicherungen zugreifen möchte.

Wird ein Erbschein vorgelegt, so können sich die Beteiligten im Rechtsverkehr auf die Richtigkeit des Dokuments berufen, es sei denn, es besteht Kenntnis darüber, dass dieser unrichtig ist.

Wo kann man einen Erbschein beantragen?

Der Erbschein wird von dem zuständigen Nachlassgericht (dort, wo der letzte Wohnsitzt bzw. Aufenthaltsort des Verstorbenen war) erteilt. Der Antrag kann entweder direkt bei dem Gericht oder über einen Notar unter Vorlage eines gültigen Ausweises gestellt werden.

Bei der Beantragung eines Erbscheins muss man damit rechnen, dass zunächst geprüft wird, ob der Antragsteller überhaupt Erbe geworden ist. Hierfür müssen bestimmte Nachweise erbracht werden. Diese können beispielsweise aus der Strebeurkunde des Erblassers, einem Ehevertrag, dem Familienstammbuch oder einer Heiratsurkunde bestehen. Gegebenenfalls kann ein Nachweis auch über die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung geführt werden. Erst wenn Klarheit darüber herrscht, in welchen Familienverhältnissen der Erbe gelebt hat, ob er eine letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag) hinterlassen hat und wer Erbe geworden ist, wird das Gericht bzw. der Notar einen Erbschein ausstellen. Erben mehrere Personen, so können sich diese einen gemeinschaftlichen Erbschein ausstellen lassen. Der Anteil jedes Erben wird auf dem Erbschein vermerkt.

Beachtet werden sollte allerdings, dass die Ausstellung eines Erbscheins Kosten mit sich bringt und durchaus einige Wochen in Anspruch nehmen kann. Die Höhe der Gebühren ist abhängig von dem Wert des Nachlasses. Auch für die eidesstattliche Versicherung wird das Gericht bzw. der Notar eine Gebühr verlangen.

Braucht man immer einen Erbschein?

Es mag für einige überraschend sein, aber als Erbe braucht man nicht immer einen Erbschein, um gegenüber Dritten nachweisen zu können, dass man Rechtsnachfolger der verstorbenen Person geworden ist.

Hat der Erblasser nämlich ein notarielles Testament (siehe dazu FAQ Testament - Frage 5) oder einen Erbvertrag hinterlassen, so reicht es häufig aus, wenn der Erbe das Testament oder den Erbvertrag zusammen mit einem Testamentseröffnungsprotokoll vorlegen kann. Ein handschriftlich verfasstes Testament (siehe dazu FAQ Testament - Frage 4) genügt allerdings häufig nicht.

Der Vorteil gegenüber dem Erbschein ist, dass der Erbe mit diesen Dokumenten oftmals schneller handeln kann, da er nicht auf die Ausstellung des Erbscheins warten muss. Regelmäßig genügt es, wenn der Erbe statt des Erbscheins, das notarielle Testament, solange dieses eindeutig ist, und das Eröffnungsprotokoll vorzeigt.

Kann der Erbschein nachträglich zurückgefordert werden?

Wie bereits beschrieben, wird das Nachlassgericht zunächst ausführlich prüfen, ob ein Erbschein erteilt werden kann. Stellt sich trotzdem nachträglich heraus, dass beispielsweise unrichtige Angaben zu den Familienverhältnissen gemacht wurden oder Miterben das Testament angefochten haben, so kann der potenzielle Erbe dazu aufgefordert werden, innerhalb einer gesetzlich festgelegten Frist den Erbschein wieder zurückzugeben. Mit der Einziehung wird der Erbschein kraftlos. Gegen die Rückgabe des Erbscheins kann der Betroffene Einwendungen machen.

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