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Die gesetzliche Erbfolge - wer erbt, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt?

Stirbt ein Mensch ohne ein Testament oder einen Erbvertrag zu hinterlassen, so bleiben die Hinterbliebenen häufig mit vielen rechtlichen Fragen zurück. Wer erbt und zu welchen Teilen? Welche Rechte haben Ehegatten? Erben Stiefkinder und nichteheliche Kinder eigentlich? Für diesen Fall hat der Gesetzgeber vorgesorgt und die gesetzliche Erbfolge entwickelt. Die Erbfolge richtet sich dann nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

Verwandtenerbrecht

Die gesetzliche Erbfolge sieht vor, dass zunächst die Verwandten erben. Dazu wird die Erbfolge in Ordnungen gestaffelt. Grundsätzlich gilt, dass Erben vorrangiger Ordnungen (nahe Verwandte), Erben entfernter Ordnungen (ferne Verwandte) ausschließen. Je enger also der Verwandtschaftsgrad, desto eher wird man bei der Verteilung des Erbes berücksichtigt. Das Erbrecht sieht folgende Ordnungen vor:
  • • Erben erster Ordnung sind Kinder und Enkelkinder des Verstorbenen
  • • Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Verstorbenen und seine Geschwister
  • • Die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen gehören in die 3. Ordnungsgruppe
  • • Zur vierten Ordnung zählen Urgroßeltern und deren Abkömmlinge
  • • Erben fünfter Ordnung etc. sind die Ur-Urgroßeltern und deren Abkömmlinge



Mit dem Tod eines Menschen geht sein Vermögen als Ganzes auf einen oder mehrere Erben über. Die Erbschaft fällt automatisch ohne Zutun und ohne Kenntnis des Erben/der Erben an. Aber nicht immer gibt es Geld oder Immobilien zu erben - auch Schulden, z. B. Kredite oder offene Rechnungen, gehören zum Nachlass und können daher vererbt werden (dazu siehe Haftung für die Schulden des Erblassers). Es besteht jedoch die Möglichkeit, das Erbe innerhalb einer 6-Wochenfrist ab Kenntnis auszuschlagen.

Erbrecht der Ehegatten und des eingetragenen Lebenspartners

Neben den Verwandten erhält der Ehepartner oder die eingetragene Lebenspartnerschaft immer einen Teil des Erbes, wenn die Ehe oder Partnerschaft im Zeitpunkt des Todes noch besteht. Die Höhe des Erbteils hängt in diesem Fall von dem ehelichen Güterstand sowie davon ab, ob und welche Verwandte außerdem erben. Leben die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, so erbt der überlebende Ehegatte:
  • • gegenüber Verwandten erster Ordnung ½ des Nachlasses
  • • gegenüber Erben der zweiten und dritten Ordnung ¾ des Nachlasses.



Diese Regelung soll sicherstellen, dass der während der Ehe erzielte Zugewinn auch im Todesfall eines Ehegatten dem überlebenden Ehepartner zusteht. Beachtet werden sollte allerdings, dass dem überlebenden Ehegatten das gesetzliches Erbrecht nicht zusteht, wenn zur Zeit des Todes des Erblassers die Voraussetzungen für die Scheidung der Ehe gegeben waren und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte (§ 1933 Satz 1 BGB). Wenn die Scheidung von dem überlebenden Ehegatten beantragt wurde, diese aber noch nicht durchgeführt worden ist, bleibt das gesetzliche Erbrecht des überlebenden Ehegatten erhalten. Gleiches gilt für die Auflösung der eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Erbrecht der Kinder

Die Kinder des Erblassers gehören in die erste Erbordnung und erben automatisch. Wurde ein Kind außerhalb der Ehe der Eltern geboren, so wird es im deutschen Recht nach dem Erbrecht genauso wie ein eheliches Kind behandelt. Gleiches gilt auch für Adoptivkinder, die als Minderjährige adoptiert wurden. Bei der Adoption eines Volljährigen gilt, dass dieser lediglich in Bezug auf die Adoptiveltern erbberechtigt ist, nicht aber automatisch Erbe in Bezug auf deren Verwandte wird. Stiefkinder zählen nicht zu den leiblichen Verwandten und erben daher nicht als gesetzliche Erben. Sie können allerdings durch Testament oder Erbvertrag bedacht werden.

Der Staat als gesetzlicher Erbe

Tritt der Fall ein, dass weder nahe noch ferne Verwandte noch Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner des Verstorbenen am Leben sind und kein Testament oder Erbvertrag vorliegt, so fällt das Erbe an den Staat. Gleiches gilt, wenn womöglich Erben leben, aber nicht ermittelt werden können. Falls hier auch kein Erbenermittler weiterhilft, wird der Staat der Erbe.

Ist man mit der gesetzlich geregelten Verteilung des Erbes nicht zufrieden, möchte man also die gesetzliche Erbfolge umgehen, so sollte man eine letztwillige Verfügung verfassen. Diese überlagert die gesetzlichen Bestimmungen und bietet dem zukünftigen Erblasser die Möglichkeit, die Erben nach seinen persönlichen Wünschen und Vorstellungen zu bestimmen. Jemanden vollständig zu enterben ist jedoch auch dann kaum möglich. Denn auch wenn ein Testament besteht, bleibt bis auf wenige Ausnahmen der Anspruch auf den Pflichtteil bestehen.

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