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Das Testament schreiben - was man darüber wissen sollte

Für die meisten Menschen gehört das Verfassen eines Testamentes nicht zu den erfreulichsten Aufgaben. Wohl auch aus diesem Grund machen viele keinen Gebrauch von dieser Möglichkeit. Niemand wird gezwungen, ein Testament anzufertigen. Als Auffanglösung hat der Gesetzgeber eine gesetzliche Erbfolge entwickelt. Befasst man sich allerdings mit diesem Thema, so wird man feststellen können, dass die Aufteilung des Eigentums im Falle des eigenen Todes durchaus sinnvoll ist, eine gewisse Sicherheit bietet und befriedigend sein kann.

Die gesetzliche Erbfolge

Häufig kommt es vor, dass ein Mensch stirbt, ohne ein Testament zu hinterlassen. Eine Studie zeigt, dass von 1424 Befragten ab 18 Jahren nur 25,8 % (etwa 367 Personen) ein Testament errichtet oder einen Erbvertrag geschlossen haben. Liegt kein Testament vor, so richtet sich die Erbfolge nach den gesetzlichen Bestimmungen, welche im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt sind. Das Erbrecht staffelt die Erbfolge in Ordnungen. Grundsätzlich gilt, dass Erben vorrangiger Ordnungen (nahe Verwandte), Erben entfernter Ordnungen (ferne Verwandte) ausschließen. Daraus folgt, dass Verwandte nachfolgender Ordnungen nur dann erben, wenn kein einziger Verwandter der vorgehenden Ordnung mehr vorhanden ist (§ 1930 BGB). Das Erbrecht sieht folgende Ordnungen vor:
  • • Erben erster Ordnung sind Kinder und Enkelkinder des Verstorbenen
  • • Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Verstorbenen und deren Nachkommen
  • • Die Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen gehören in die dritte Ordnungsgruppe
  • • Zur vierten Ordnung zählen Urgroßeltern und deren Abkömmlinge
  • • Erben fünfter Ordnung etc. sind die Ur-Urgroßeltern und deren Abkömmlinge
Neben den Verwandten des Erblassers erhält der Ehepartner oder die eingetragene Lebenspartnerschaft immer einen Teil des Erbes, wenn die Ehe oder Partnerschaft im Zeitpunkt des Todes noch besteht. Tritt der Fall ein, dass weder nahe oder ferne Verwandte noch Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner des Verstorbenen am Leben sind und kein Testament vorliegt, so fällt das Erbe an den Staat. Möchte man die gesetzliche Erbfolge umgehen und für seinen eigenen Todesfall vorsorgen, so sollte ein Testament verfasst werden. Das Testament überlagert dann die gesetzlichen Bestimmungen.

Gründe, die für das Verfassen eines Testaments sprechen

Es gibt einige Gründe, die für das Verfassen eines Testamentes sprechen. Ein Testament kann helfen, Streitigkeiten zwischen den Erben zu vermeiden, denn es spiegelt den konkreten Willen und die Wünsche des Erblassers wider. Es bleibt also kaum Raum für Spekulationen oder Missverständnisse. Darüber hinaus bietet ein Testament dem zukünftigen Erblasser die Möglichkeit, Erben nach den eigenen Vorstellungen zu bestimmen. Der zukünftige Erblasser kann nicht nur Verwandte als Erben einsetzen, er kann auch andere nahestehende Personen, Freunde, Bekannte aber auch Institutionen usw. als Erben bestimmen. Das Verfassen eines Testaments ist auch dann sinnvoll, wenn die Nachfolge eines gewerblichen Unternehmens oder ein sehr großes Vermögen geregelt werden muss.

Vor der Erstellung eines Testaments

Vor der Erstellung eines Testamentes, sollte sich der zukünftige Erblasser gut überlegen, was sein Wille ist, damit er zum Beispiel niemanden übergeht, dem er sich verpflichtet fühlt, und damit er Regelungen trifft, die Streit bei den Hinterbliebenen vermeiden. Zunächst sollte der zukünftige Erblasser eine Liste der Verwandten und Freunde erstellen, die er bedenken möchte. Auch diejenigen Verwandten, die er nicht im Testament erwähnen will, sollte er niederschreiben, um prüfen zu könne, ob möglicherweise Pflichtteile entstehen. Sodann sollte er ein Inventar seiner Vermögenswerte aufstellen. Dazu zählen z.B. PKW, Sparbücher, Konten, Hausrat, Grundstücke etc. Schließlich ist genau zu überlegen, wie der Erblasser seine Vermögenswerte mithilfe des Erbrechts aufteilen möchte. Hierzu ist genaue Kenntnis der „erbrechtlichen Werkzeuge“ erforderlich, denn nur wem diese ganz bekannt sind, der kann diese Möglichkeiten auch nutzen. Wir haben für diesen Prozess ein System (erbrechtliche Gestaltungspyramide) entwickelt und helfen Ihnen gerne, wenn es ihnen zu kompliziert wird.

Das eigenhändige Testament

Das deutsche Erbrecht sieht vor, dass ein Testament auf unterschiedliche Art und Weise verfasst werden kann. Das eigenhändige Testament – auch handschriftliches oder privatschriftliches Testament genannt - ist eine Möglichkeit. Um ein eigenhändiges Testament zu verfassen, müssen nur einige wenige Formvorschriften beachtet werden, die vor allem der Klarheit dienen sollen. Der Verfasser muss das 18. Lebensjahr vollendet haben, er muss voll geschäftsfähig sein und das Testament muss von Anfang bis Ende handschriftlich verfasst werden. Die Bezeichnung „handschriftlich“ ist wörtlich zu nehmen. Ein Testament, welches zum Beispiel unter Verwendung eines Computers verfasst wird, erfüllt die gesetzlichen Anforderungen nicht. Darüber hinaus ist Voraussetzung, dass das Testament von dem zukünftigen Erblasser unterschrieben wird. Um Irrtümer zu vermeiden, sollte der zukünftige Erblasser möglichst mit Vor-und Familienname unterschreiben. Das Gesetz weist zudem darauf hin, dass eine Orts-und Zeitangabe auf dem Testament vermerkt werden sollten, um Missverständnissen vorzubeugen. Vor allem die Zeitangabe ist wichtig, da ein Testament jüngeren Datums ein Testament älteren Datums ersetzt. Auch eine Überschrift, beispielsweise „Testament“ oder „letzter Wille“ und die Seitennummerierung ist nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll. Mit Hilfe der Nummerierung kann die Vollständigkeit des Testaments überprüft werden. Der Erblasser ist verpflichtet, die Bestimmungen in dem Testament persönlich zu treffen. Er darf sich also nicht eines Stellvertreters bedienen. In seinem Testament muss der zukünftige Erblasser die Namen der Erben (oder Vermächtnisnehmer etc.) angeben. Die Erben stellen nämlich eine Erbengemeinschaft dar und erben, so lange nichts anderes bestimmt ist, das gesamte Vermögen zu gleichen Teilen. Das Testament kann entweder zu Hause aufbewahrt oder bei dem zuständigen Amtsgericht in die amtliche Verwahrung gegeben werden. Letzteres ist wohl die sicherere Variante, da dadurch gewährleistet wird, dass das Dokument nicht in falsche Hände gerät oder verloren geht.

Das notarielle Testament

Es besteht zudem die Möglichkeit ein notarielles Testament anzufertigen. Das notarielle Testament wird mit Hilfe eines Notars nach den persönlichen Wünschen des zukünftigen Erblassers erstellt. Der Erblasser hat die Möglichkeit seinen letzten Willen dem Notar mündlich mittzuteilen oder diesem eine Schrift mit der Erklärung, diese enthalte seinen letzten Willen, zu übergeben. Im Gegensatz zum handschriftlichen Testament, ist das Aufsetzen eines notariellen Testaments bereits mit 16 Jahren möglich. Es muss auch nicht zwingend handschriftlich verfasst werden. Besonders in komplizierten und unübersichtlichen Angelegenheiten ist die Errichtung eines notariellen Testaments sinnvoll. Die fachkundige Beratung durch den Notar schließt Missverständnisse bei Erben und dem Nachlassgericht aus. Zudem wird das notarielle Testament in die amtliche Verwahrung gegeben. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Erstellung eines notariellen Testamentes nicht die kostengünstigste Lösung darstellt. Immerhin möchte der Notar für seine Dienste bezahlt werden.

Das gemeinschaftliche Testament

Ein gemeinschaftliches Testament kann von Ehepartnern und eingetragene Lebenspartnern, allerdings nicht von Verlobten oder Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, gemeinsam erstellt werden. Es kann eigenhändig oder notariell verfasst und zu Hause oder amtlich verwahrt werden. Möchten die Ehegatten/eingetragenen Lebenspartner ein eigenhändiges gemeinschaftliche Testament verfassen, so reicht es aus, wenn ein Ehegatte/eingetragene Lebenspartner das Testament handschriftlich aufsetzt und dieses mit seiner Unterschrift versieht und der andere Ehegatte/eingetragene Lebenspartner das selbe Exemplar ebenfalls unterschreibt. Diese sogenannte Formerleichterung sieht das Gesetz vor (§ 2267 BGB). Möchte der Ehegatte/eingetragene Lebenspartner, welcher das Testament nicht eigenhändig verfasst hat, deutlich machen, dass das Testament mit seinem letztem Willen übereinstimmt, so kann er zusätzlich zu seiner Unterschrift eine handschriftliche Anmerkung, beispielsweise „Dies ist auch mein letzter Wille“, in das Testament einfügen. Eine besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments stellt das Berliner Testament dar. Man spricht von einem Berliner Testament, wenn sich die Ehegatten/eingetragenen Lebenspartner in dem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig als Eben einsetzten. In diesem Fall wird der überlebende Ehegatte/eingetragene Lebenspartner zum Vollerben.

Vermächtnisse, Auflagen und Testamentsvollstrecker

In einem Testament können auch sogenannte Vermächtnisse und Auflagen geregelt werden. Hinterlässt der Erblasser einer oder mehreren Person(en) ein Vermächtnis, so bedeutet dies, dass die benannte(n) Person(en) einen bestimmten Gegenstand oder Geldbetrag erhalten, ohne Erbe(n) zu werden. Die Erben werden in diesem Fall verpflichtet, den Gegenstand oder Geldbetrag nach dem Erbfall an die benannte(n) Person(en) zu übergeben. Der Erblasser kann außerdem mittels Auflagen den Erben oder Vermächtnisnehmer dazu verpflichten, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen. Der Erblasser kann in seinem Testament also auch gewisse Bedingungen stellen.

Auch kann in dem Testament ein Testamentsvollstrecker bestimmt werden, welcher nach dem Tod des Erblassers bis zu der Verteilung des Nachlasses das Erbe verwaltet. Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang die Abwicklungsvollstreckung von der Verwaltungsvollstreckung. Hat der Erblasser in seinem Testament keine konkreten Regelungen hinsichtlich der Aufgaben des Testamentsvollstreckers getroffen, so greift die Abwicklungsvollstreckung (§ 2203 BGB). Danach hat der Testamentsvollstrecker die Aufgabe, die Anordnungen des Erblassers auszuführen und den Nachlass unter den Erben auseinanderzusetzen. Auch die Nachlassverbindlichkeiten müssen von dem Testamentsvollstrecker erfüllt werden. Im Gegensatz zur Abwicklungsvollstreckung muss die Verwaltungsvollstreckung ausdrücklich angeordnet werden (§ 2209 BGB). Im Rahmen der Verwaltungsvollstreckung ist die Aufgabe des Testamentsvollstreckers allein auf die Verwaltung des Nachlasses beschränkt. Dazu zählen z. B. die Verwaltung des Nachlasses eines behinderten Erben oder die Verwaltung des Nachlasses bis zum Eintritt der Volljährigkeit eines Erben. Dem Testamentsvollstrecker steht nach dem Gesetz eine angemessene Vergütung zu, die von dem Erbe ausbezahlt werden muss.

Kann man sein Testament nachträglich ändern oder widerrufen?

Hat der zukünftige Erblasser ein eigenhändiges oder notarielles Testament verfasst, so kann dieses problemlos abändern. Möchte der zukünftige Erblasser sein privatschriftliches Testament ändern, so kann er die relevanten Abschnitte einfach neu schreiben, diese mit Datum, Ort, Unterschrift versehen und dem bestehenden Testament beilfügen. Möchte der zukünftige Erblasser sein notarielles Testament ändern, so ist ein erneuter Besuch beim Notar Voraussetzung. Der Notar wird dafür sorgen, dass die Änderung aufgenommen und dem bestehen Testament beifügt wird. Eine Besonderheit ergibt sich im Hinblick auf das gemeinschaftliche Testament. Da das gemeinschaftliche Testament gemeinsam mit dem Ehegatten/eingetragenen Lebenspartner erstellt wurde, kann es nicht einfach von einem Ehegatten/Partner geändert werden. Sobald ein Ehegatte/Partner stirbt, ist eine gemeinschaftliche Änderung nicht mehr möglich. Der Längerlebende kann eine Änderung nur dann vornehmen, wenn sich die Ehegatten/Partner zuvor auf die Aufnahme einer „Änderungsklausel“, also eines Vermerks, welcher besagt, dass das gemeinschaftliche Testament nach dem Tod eines Partners einseitig geändert werden kann, in das Testament geeinigt haben.

Die Regelungen bezüglich des Widerrufs eines Testaments, sind den Regelungen über die Änderung eines Testaments ähnlich. Das eigenhändige und das notarielle Testament können als Einzeltestament (also nicht wechselbezügliche Verfügung) problemlos einseitig von dem zukünftigen Erblasser widerrufen werden. Wird ein Testament widerrufen, so wird es ungültig. Möchte der zukünftige Erblasser das privatschriftliche Testament widerrufen, so hat er die Möglichkeit, es zu vernichten, oder einfach ein neues, aktuelles Testament zu formulieren. Ein notarielles Testament kann widerrufen werden, indem es aus der amtlichen Verwahrung genommen wird. Für das gemeinschaftliche Testament gilt folgendes. Solange beide Ehegatten/eingetragene Lebenspartner noch am Leben sind, sind sie an das gemeinschaftliche Testament nicht gebunden und können dieses daher gemeinschaftlich widerrufen. Wollen demnach beide Ehegatten das gemeinschaftliche Testament widerrufen, so können sie dies tun, indem sie ein gemeinsames Widerrufstestament errichten, das vorhandene Testament durch ein gemeinschaftliches widersprechendes Testament neueren Datums aufheben oder das bestehende Testament vernichten. Möchte nur ein Ehegatte/Partner widerrufen, so ist dies nur möglich, wenn der Ehegatte/Partner dies vor einem Notar tut. Bei dem gemeinschaftlichen Testament handelt es sich um eine wechselseitige Verfügung, die nicht ohne Weiteres einseitig widerrufen werden kann. Der Widerruf wird wirksam, sobald dem anderen Ehegatten/Partner eine Ausfertigung des notariell beurkundeten Widerrufs zugeht.

Pflichtteil

Hat der Verstorbene ein Testament verfasst, so erben nur diejenigen Personen, die in dem Testament bedacht wurden. Allerdings gibt es hiervon eine Ausnahme: Hat der Erblasser, mithilfe des Testaments, nahe Angehörige von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen, so bedeutet das nicht, dass diese überhaupt nicht an dem Nachlass beteiligt werden. Das Pflichtteilsrecht sichert den pflichtteilsberechtigten Personen, d.h. Personen, die eine enge persönliche Bindung zu dem Verstorbenen aufweisen, z. B. Kinder, Enkelkinder, Eltern und Partner, eine finanzielle Mindestbeteiligung am Erbe zu. Das Pflichtteilsrecht führt dazu, dass die Pflichtteilsberechtigten gegen den/die Erben einen Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils haben. Nur unter sehr strengen Voraussetzungen, kann das Recht auf den Pflichtteil entzogen werden. Siehe dazu FAQ Testament, Frage 10.

Erbvertrag

Möchte man andere Personen als den Ehegatten/eingetragenen Lebenspartner, also Personen auch ohne Verwandtschaftsgrad, als Erbberechtigte bestimmen, so bietet sich ein Erbvertrag an. Sinnvoll ist diese Art der letztwilligen Verfügung besonders bei unverheirateten Paaren, die kein gemeinschaftliches Testament aufsetzen können, oder bei Übergang eines Geschäftsbetriebes. Im Gegensatz zum Testament ist der Erbvertrag allerdings nicht einseitig widerrufbar oder änderbar. Die Parteien des Vertrages sind grundsätzlich an die Abmachung gebunden. Es kann jedoch ein Rücktrittsrecht vereinbart werden. Voraussetzung für einen Erbvertragsschluss ist die gleichzeitige Anwesenheit der Parteien vor dem Notar.

Die Ausführungen zeigen, dass es gar nicht so schwer ist seinen letzten Willen wirksam und rechtlich korrekt zu regeln. Insbesondere das eigenhändige Testament kann ohne großen Zeitaufwand und ohne umfassendes juristisches Wissen verfasst werden. Mit Hilfe unserer Artikel kann man auch unübersichtliche Situationen systematisch zu einem rechtssicheren Testament aufarbeiten. Auch wenn das Schreiben des eigenen Testamentes eine unangenehme Aufgabe sein kann, so gehört es doch irgendwie zu der Lebensplanung dazu und sollte deshalb frühzeitig bedacht werden.

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