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Wie enterbe ich meine Familie?

Haben Sie ungeliebte Familienangehörige? Wollen Sie vielleicht nicht, dass diese nach Ihrem Tod einen Teil Ihres Erbes abbekommen?

In Deutschland herrscht grundsätzlich Testierfreiheit. Es ist das in Art. 14 GG garantierte Recht, jede beliebige Person grundsätzlich ohne Angabe von bestimmten Gründen als Erben einzusetzen. Prinzipiell können Sie Ihren geliebten Nachbar, den guten Freund, die freundliche Zeitungsverkäuferin oder den Gärtner zum Alleinerben ernennen.

Allerdings steht dem unbeliebten Teil der Familie immer noch der Pflichtteil zu. Der Gesetzgeber wollte damit vermeiden, dass bestimmte nahe Angehörige komplett aus dem Erbschaftsvermögen des Verstorbenen ausgenommen werden können.

Wer ist überhaupt pflichtteilsberechtigt?

Den Regelungen zum Pflichtteil bei Erben nach, trifft den Erblasser eine Sorgfaltspflicht für seine nahen Angehörigen. Diese gilt auch über den Tod hinaus.

Pflichtteilsberechtigt sind nur die Abkömmlinge, der Ehegatte und die Eltern des Erblassers. Das gleiche Recht steht auch einem gleichgeschlechtlichen eingetragenen Lebenspartner zu. Dabei werden gleichzeitige Ansprüche mehrerer voneinander abstammender Personen oder Personen verschiedener Ordnungen ausgeschlossen. Das heißt: Leben die Kinder des Erblassers, so gehen die Enkelkinder leer aus. Auch die Eltern des Erblassers sind nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn der Erblasser keine Kinder hinterlässt. Dementsprechend haben Enkelkinder nur dann Anspruch auf den Pflichtteil, wenn der Elternteil bereits verstorben ist.

Wie kann die Enterbung und Verweisung auf den Pflichtteil erfolgen?

Zu diesem Kreis gehörende Personen müssen durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Beispielsweise kann die Enterbung im Testament oder im Erbvertrag festgehalten werden. Es können sowohl alle oder einzelne gesetzliche Erben ausgeschlossen werden. Oder Sie bestimmen jemand anderen als Alleinerben, indem Sie beispielsweise den vollen Nachlass an Ihre beste Freundin vergeben. Eine mögliche Formulierung im Testament könnte so lauten: "Ich bestimme meine beste Freundin Marie als Alleinerbin."

Wie hoch ist der Pflichtteilsbetrag?

Der Pflichtteil ergibt sich aus der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Wir nehmen an, ein vermögender geschiedener Mann hat drei Kinder. Sein Vermögen beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro. Nach der gesetzlichen Erbenfolge stünde seinen Kindern jeweils ein Drittel des Vermögens zu. Dies wären dann anteilig 400.000 Euro. Schließt der Erblasser den Jüngsten aus Erbfolge aus, so steht diesem jetzt nur noch der Pflichtteil zu. Dieser beläuft sich auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Folglich bekäme der jüngste Sohn nun statt 400.000 Euro nur noch 200.000 Euro. Dieser Anspruch richtet sich gegen seine Geschwister als gesetzliche Erben.

Regelung meist nicht zufriedenstellend für den Erblasser

Das Pflichtteilsrecht widerspricht oftmals dem Willen des Erblassers. Bislang scheiterten Klagen gegen das Pflichtteilsrecht gewöhnlich an der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Nur in wenigen Ausnahmefällen kann der Ausschluss vom Pflichtteil oder die Beschränkung des Erbrechts verlangt werden. Dabei muss es sich um schwere Verfehlungen des gesetzlichen Erben gegen den Erblasser handeln. Diese liegen regelmäßig vor, wenn der gesetzliche Erbe den Erblasser getötet oder zu töten versucht hat oder ihm gegenüber sonstige schwere Straftaten begeht.


Lesen Sie zum Pflichtteilsrecht und zur Enterbung naher Angehöriger/Kinder auch FAQ Testament - Frage 10.

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